Ein Haus aus Strohballen – statisch belastbar, energetisch erstklassig und dazu preiswert

Strohballenbau-Workshops in Theorie und Praxis in Pischelsdorf

 

Ende August und Anfang September fanden in Pischelsdorf ein zweitägiger Workshop mit Laien und Häuselbauern und ein einwöchiger Profi-Workshop zum Thema „Strohballen-Hausbau“ statt.

 

Die Teilnehmer lernten in einem Theorie- und Praxisteil, wie man mit Hilfe von simplen Strohballen Häuser bauen kann.

 

Was das Stroh alles kann…

 

Strohballen sind nicht nur als Dämmstoff, sondern auch als statische Elemente als Baustoffe höchst brauchbar.

 

Außerdem gibt es keinen anderen Baustoff, der mit so wenig Energieeinsatz produziert werden kann. Dabei hat Stroh hervorragende statische, energetische, wie auch feuerresistente Eigenschaften und ist darüber hinaus ein natürlich nachwachsender und regionaler Rohstoff.

 

Strohhäuser können in verschiedensten Varianten errichtet werden: als lasttragender Strohballenbau, oder durch die zusätzliche Unterstützung unterschiedlicher Holzkonstruktionen.

 

Im Rahmen des Workshops wurde am Sonntag – dem Praxistag – vor allem der lasttragende Strohballenbau eindrucksvoll veranschaulicht.

 

Innerhalb eines Nachmittags wurden im Rahmen des Workshops die Wände einer 4 m² großen Strohhütte allein mit Strohballen aufgebaut und mit einem Ringanker und Spanngurten oben und unten fixiert und stabilisiert.

 

„In dem Moment, in dem der Ringanker auf der obersten Strohballenreihe aufgebracht und zusammengeschraubt wird, stabilisiert sich die gesamte Konstruktion auf eindrucksvolle Weise“, so Virko Kade, der Strohballenexperte und Gründer der Firma Stroh und Lehm aus Riegersburg, der den Workshop als Fachmann begleitete. Die Teilnehmer des Kurses wurden staunende Zeugen dieses Phänomens.

 

Zur weiteren Fixierung und Stabilisierung dienen auch die Spannriemen, mit denen die Strohballenwände zusammengepresst werden. Um die endgültigen Stabilisierung des Gebäudes zu erreichen, werden die Strohwände im Anschluss innen und außen mit 3 Schichten Putz besprüht. Dieser dringt 3-4 cm in die Strohballen ein und wirkt so nicht nur stabilisierend, sondern reduziert auch die Entflamm- und Brennbarkeit des Gebäudes auf ein Minimum.

 

„Strohhäuser trotzen allen Feuertests und brennen wesentlich schwerer als beispielsweise Häuser, die mit XPS gedämmt werden. Das liegt daran, dass die Strohballen extra dicht gepresst werden und so viel zu wenig Sauerstoff vorhanden ist, um das Feuer anzufachen. Der Lehmputz (innen) und Kalkputz (außen) tragen ihren Teil zur perfekten Feuerresistenz von Strohgebäuden bei“, so Kade.

 

Der erste Workshop war eine Veranstaltung für interessierte Laien und Häuslbauer, die hier bereits in der Praxis üben konnten und von den Möglichkeiten und Eigenschaften dieses Baustoffes beeindruckt und begeistert zugleich waren.

 

Veranstaltet wurde der Workshop von der Klima- und Energiemodellregion Energiekultur Kulmland, die durch die Modellregionsmanagerin Mag. Heidrun Kögler betreut wird.

 

Begrüßt wurden die Teilnehmer des Workshops am ersten Kurstag von Kulmland-Obmann Bgm. Alexander Allmer, der selbst interessiert den Beginn des Kurses verfolgte.

 

 

 

 

Gründung eines Gemeinschaftsgartens in Pischelsdorf

 

Konkreter Anlass, warum der Workshop in dieser Form im Kulmland stattfinden konnte, ist die bevorstehende Gründung eines Gemeinschaftsgarten-Projektes im Ortskern in Pischelsdorf, neben Eisstockhalle und Schwimmbad.

 

„Die Strohhütte, die im Rahmen dieses und eines weiteren Workshops mit Profis errichtet wird, wird dem Gemeinschaftsgartenprojekt als Gartenhütte dienen“, so Kögler, die selbst begeistert ist, wie die Strohhütte in kürzester Zeit aus dem Boden wächst.

 

„Es ist eine Freude mit Herrn Kade zusammen zu arbeiten und ihn als begleitenden Experten des Projektes zu Seite zu haben. Ohne das Know-How und die weitreichende Erfahrung, die Virko Kade, Gründer der Firma Stroh und Lehm, aus dem Bau zahlreicher Stroh-Wohnhäuser mitbringt, wäre dieses Projekt nicht möglich“, sagt Frau Kögler.

 

Vorläufig fertiggestellt wurde die Hütte in der ersten Septemberwoche im Rahmen eines Profi-Workshops mit Vertretern verschiedener Firmen aus dem Bausektor aus ganz Österreich.

 „Wir wollen die Hütte noch in diesem Jahr ganz fertigstellen und können dann bereits im kommenden Jahr mit dem Gemeinschaftsgarten starten“, erklärt Kögler.

Nähere Informationen zum Gemeinschaftsgartenprojekt finden Sie HIER.