Podiumsdiskussion "Zukunft Bauen - Wie nachhaltig ist nachhaltiges Bauen?"

 

 

Der Wohnwagon war heuer auf Österreichtournee und machte im Herbst dieses Jahres auch  Station in Pischelsdorf.  Dies war der Anlass für die hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion, die im Pfarrsaal Pischelsdorf startete und von Kulmland-Obmann Bgm. Herbert Baier eröffnet wurde. Organisiert vom Kulmland als Klima- und Energiemodellregion in Kooperation mit Moderator Christian Luttenberger von der Energieregion Oststeiermark und dem Wohnwagon. Zuvor gab es vor dem Pfarrsaal außerdem Gelegenheit den Wohnwagon OSKAR zu besichtigen, der als Ausstellungsstück dient und in einfacher Form die Unternehmensphilosophie des erfolgreichen Jungunternehmens Wohnwagon demonstriert.

 

Vertreten wurde der Wohnwagon am Podium durch Christian Frantal, den Gründer des erfolgreichen Jungunternehmens.  Außerdem bei der Podiumsdiskussion vertreten war Virko Kade, einer der großen Pioniere im Strohballenbau. Er hat bereits etwa 30 Jahre Erfahrung bei der Anwendung nachhaltiger Baustoffe, hat bereits eine Vielzahl an Strohhäusern errichtet und arbeitet mittlerweile mit Universitäten und Fachhochschulen zusammen. Dabei wird geforscht und in Workshops und Kursen praxisnahe das Bauen mit Stroh vermittelt. Besonders wichtig ist ihm dabei, dass das Wissen, das bereits viele alte Kulturen schon beim Bau ihrer Häuser angewandt haben, nicht vergessen, sondern weitergegeben wird.

 

Martin Ellmer, der im Podium die Architektengruppe Kaltenegger und Partner - Pioniere im energieeffizienten Bauen - vertrat und selber überzeugter Bewohner eines Mehrfamilienwohnhauses in Holz-Lehmbauweise ist, plädiert darauf, die Industrie nicht nur zu verteufeln, sondern auch anzuerkennen, dass der menschliche Fortschritt ohne sie nicht in diesem Ausmaß möglich wäre. Doch viele Entwicklungen gehen sehr schnell und auch im Bausektor werden viele neue Errungenschaften zu schnell umgesetzt. So schnell, dass es oftmals noch keine fertige Lösung am Tisch liegt – so wie beispielsweise für die Entsorgung des zum Teil hochgiftigen Bauschutts. Kommt Zeit, kommt Rat. Fraglich ist nur, ob sich das Problem, das wir einmal mit der Entsorgung von erdölhaltigen und mit giftigem Flammschutzmittel verunreinigten Dämmstoffen haben werden, nicht hätte gänzlich vermeiden lassen, hätte man von Anfang an auf ökologische Dämmstoffe gesetzt.

 

Von der positiven Wirkung der Dämmstoffe am Bau und der Lebensqualität, die das Bewohnen des selbst gebauten Strohhauses mit sich bringt, konnte Gregor Schöberl berichten, der mit seiner Familie seit zwei Jahren in einem selbst gebauten Strohhaus im Kulmland in der Gemeinde Ilztal, KG Neudorf wohnt. Es sei ein wunderbares Gefühl beim Bau keine Handschuhe anziehen zu müssen und zu wissen, dass die Bestandteile natur pur sind. Erfahrungen in der Baubranche hatte der Familienvater vor Baubeginn keine, er ist in diese Herausforderung hineingewachsen. Auch was die Kosten betrifft, ist diese Art des Bauens nicht teurer, als ein konventioneller Bau, sind sich die Experten einig, was auch Herr Schöberl bestätigte. Selbst Zweifel an ökologischen Dämmstoffen in Bezug auf Brandgefahr, Ungeziefer und Statik, konnten in der angeregten interessanten und tiefgehenden Diskussion eindeutig ausgeräumt werden.

 

Aber wie viel Raum brauche ich wirklich zum Wohnen und für ein glückliches Leben? Diese Frage wird von der Tinyhouse-Bewegung aufgeworfen und wurde auch im Podium und Publikum heftig diskutiert. Der Mensch von heute ist viel unterwegs und jeder Quadratmeter Wohnfläche kostet, ebenso wie das Haus im Grünen ohne Verkehrsanbindung. Der Trend geht trotzdem immer weiter zu noch größeren Wohnflächen für jeden Einzelnen.  Im Podium war man sich einig, dass das Gefühl für ein gutes Leben nicht unbedingt nur große Flächen beinhaltet, sondern auch neue Ansätze hinsichtlich der gemeinsamen Nutzung von Infrastruktur. Klein aber fein, mit hochwertigen ökologischen Baustoffen und gemeinsamen Nutzungsmöglichkeiten und wenn möglich auch noch mobilen Wohneinheiten; das könnte die Devise für ein neues Wohnkonzept sein.  Am Ende der Veranstaltung wurde bei regionalen Getränken und einem kleinen Imbiss noch intensiv weiterdiskutiert.

 

 

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